Wer dachte, das Klosterleben im Mittelalter bestand nur aus strengem Schweigen, fadem Brei und endlosem Beten, wurde am 21.06.26 im Kreuzgang des Fritzlarer Doms eines Besseren belehrt. Der Dombauverein hatte zur „Abendmusik mit Aha-Effekt“ geladen. Was die Besucher erwartete, war jedoch kein staubtrockener Historienvortrag. Es war eine packende, humorvolle Zeitreise, die den Kreuzgang streckenweise vor Lachen und Staunen gleichermaßen erfüllte.

Stadtpfarrer Prähler lief an diesem Abend zur historischen Hochform auf. Mit einem spitzbübischen Lächeln und einer großen Portion Humor wirbelte er das klassische Bild der mittelalterlichen Mönche gehörig durcheinander. Wussten Sie beispielsweise, dass das Bierbrauen im Kloster oft eine reine Überlebensstrategie für die Fastenzeit war? „Flüssiges bricht das Fasten nicht“, zitierte Prähler die alten Ordensregeln schmunzelnd. Er erzählte von heimlichen kulinarischen Sünden, skurrilen Schlafsaal-Vorschriften und dem harten, aber erstaunlich gut organisierten Alltag hinter den Klostermauern. Seine Pointen saßen, und der versprochene „Aha-Effekt“ stellte sich beim Publikum im Minutentakt ein. Man spürte förmlich, wie die Geschichte Fritzlars lebendig wurde.

Doch ein gelungener Abend braucht neben gutem Wortwitz auch den passenden Ton – und der war an diesem Abend hochelegant. Gunther Hehenkamp am Klavier und Frieder Kraus an der Geige bildeten das musikalische Gegenstück zu den klösterlichen Anekdoten. Mit virtuoser Leichtigkeit entführten die beiden Musiker das Publikum in die Welt der klassischen Kaffeehausmusik.

Der Kontrast funktionierte perfekt: Nach den spannenden Einblicken in das karge, strenge Mittelalter wirkten die beschwingten Melodien von Hehenkamp und Kraus wie ein warmer, luxuriöser Kontrapunkt. Das Zusammenspiel von Geige und Klavier war präzise, elegant und versprühte den charmanten Glanz Wiener Kaffeehäuser im Schatten des Fritzlarer Doms.

Am Ende des Abends gab es nicht nur lang anhaltenden Applaus für die Akteure, sondern auch ein dickes Plus für den guten Zweck. Der gesamte Erlös des Abends kommt der Arbeit des Dombauvereins zugute, um das historische Erbe der Stadt für die Zukunft zu bewahren. Ein rundum gelungener Abend, der bewies: Geschichte, Humor und Musik sind die beste Kombination für Denkmalschutz.

Mönche, Mythen und Melodien: Abendmusik im Fritzlarer Dom sorgt für staunende Gesichter
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