Stürmische Zeiten herrschten in Fritzlar an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert, einer Epoche, die von tiefgreifenden religiösen Spannungen, politischen Umbrüchen und wirtschaftlichen Unsicherheiten geprägt war. In einem fesselnden Vortragsabend, zu dem der Dombauverein St. Peter Fritzlar e.V. eingeladen hatte, nahm der Referent Clemens Lohmann die Zuhörer mit auf eine Zeitreise in diese bewegte Phase der Stadtgeschichte. Im Mittelpunkt seiner Ausführungen stand dabei nicht nur das allgemeine Zeitgeschehen in der kurmainzischen Exklave, sondern ein ganz konkretes Zeugnis jener Tage: das prächtige Epitaph des Rittmeisters Caspar von Breitenbach, das als bedeutendes Kunstmal im Fritzlarer Dom erhalten geblieben ist.
Lohmann verstand es meisterhaft, die Verbindung zwischen der großen europäischen Politik und dem lokalen Schicksal der Stadt herzustellen. Als kurmainzischer Rittmeister war Caspar von Breitenbach eine Schlüsselfigur, die sowohl militärische Macht als auch den gesellschaftlichen Anspruch des Adels in einer Zeit des Wandels verkörperte. Ein besonderer Höhepunkt des Abends war die Präsentation seltener Artefakte, die im Domschatz aufbewahrt werden, welche die Geschichte greifbar machten. Diese Fundstücke stammen aus Ausgrabungen in den 1970er-Jahren, an denen der Referent selbst aktiv teilgenommen hatte. Die Besucher konnten unter anderem ein kostbares Stichdegen, edle Knöpfe aus Bergkristall sowie fragile Reste der damaligen Kleidung bestaunen, die einen unmittelbaren Einblick in die materielle Kultur jener Zeit gewährten.
Die Veranstaltung unterstrich zudem das kontinuierliche Engagement des Dombauvereins für das Wahrzeichen der Stadt. Da die gesamten Einnahmen des Abends unmittelbar dem Erhalt des Doms St. Peter zugutekommen, leisteten die ca. 50 Teilnehmenden nicht nur einen Beitrag zur historischen Bildung, sondern unterstützten auch aktiv die Sicherung dieses bedeutenden Baudenkmals für künftige Generationen. Am Ende blieb die Erkenntnis, dass die Geschichte Fritzlars in diesen „stürmischen Zeiten“ ein faszinierendes Spiegelbild einer ganzen Ära war, deren steinerne Zeugen und wiederentdeckte Schätze dank bürgerlichen Engagements und wissenschaftlicher Akribie bis heute bewahrt werden können.